Vita

1939 geboren in Trier
Abitur und 5 Semester Architektur in Darmstadt
Kunststudium in der Klasse Johannes Geccelli an der
Hochschule für Bildende Künste/Berlin
1969/70 Examen
1977 bis 1983, 1985 und 1987 Beteiligung an der
Großen Düsseldorfer Kunstausstellung mit Kleisterfarbenbildern
Bis 2001 Portrait- und Sachzeichnen
ab 2002 virtuelle Bilder. Lebt in Düsseldorf.

Eindrücke verschiedener Autoren

Februar 2007

VOM VISUELLEN ZUM VIRTUELLEN, MALEN MIT PINSEL, STIFT UND MAUSKLICK

[In verschiedenen Tageszeitungen z. T. veröffentlichte Texte anläßlich früherer Ausstellungen von Prof. Dr. Andreas FRANZKE, emeritiert, der in Karlsruhe Kunstgeschichte lehrte. Er ist als Autor hervorgetreten u.v.a. mit Monografien über Antoni Tápies, Georg Baselitz, Jean Dubuffet und Stephan Balkenhol.]

(Zu den Aquarellen:) Was als spannend auffällt, ist, dass jedes Blatt in einer anderen Weise in unterschiedlichen Graden der Fertigstellung abgeschlossen erscheint und dabei die nur angedeuteten Partien in sehr vielen Beispielen die Wiedergabe ebenso stützen wie die Teile, die er durchgearbeitet hat...

Wer nichts sieht, kann nichts erleben, wer nichts erlebt, kann nichts im Sinne von Erkenntnis erkennen. Sehen und über das Wahrnehmen zu Erfahrungen zu kommen, sich in Verhältnismäßigkeiten einzufühlen über schlichtes Erfassen, das alles findet sich einmal mehr in den großen Blättern. die kaum Leerstellen haben, weil ersichtlich wird, wo unbemalte Stellen bewußt gelassen sind.

Die Kopien (einer größeren Anzahl neuerer Aquarelle) geben eine sehr gute Vorstellung nicht nur von den Sujets, sondern auch vom technisch gestalterischen Prozeß, der ihnen zugrundeliegt. Ludwig hat sich eine Sehweise auf die Welt erarbeitet, die aufspürt, Akzente setzt, die Passagen des Blickes an einfachen Objekten bloßlegt, so daß man in und hinter das Wiedergegebene einzudringen können meint. Schon allein wie sein Auge heranzieht, hier aussondert, dort an der Oberfläche bleibt, andernorts die ‚Haut‘ abtastet, das wirkt sehr anschaulich nachempfunden. Wirklichkeitssuggestion und Abstraktion versteht er sehr variabel in einen Dialog zu bringen...



Auszüge aus der Ansprache von Superintendent Hans WARNECKE in der Ahrweiler Ehem. Synagoge, 12-01-03

Das Alltägliche schaut uns an, fragt provoziert, lockt durch unvollständige Worte in bestimmte Richtungen, stellt die Wirklichkeit im Ausschnitt dar. Es fragt und spielt mit Andeutungen. Es verhüllt und gibt sich dadurch nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Dieses Alltägliche hat Andreas Ludwig mit unterschiedlichen Techniken dargestellt. Er selbst erzählt, daß er während seines Studiums in Berlin Pulverpigmente in Tapetenkleister angerührt hat, weil damit besonders gut durchscheinende Schichten zu erzielen sind. Aber so wie er sich als Künstler entwickelt hat, ist er auch nicht bei damaligen Techniken stehengeblieben. Heute z. B. hat er eine Vorliebe für schwarzen Tee und für Rotwein, wohlgemerkt zum Malen, weil beide hervorragende Effekte abgeben.

Wenn Andreas Ludwig mit uns als den Betrachtern in einen Dialog eintritt, so tut er das nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, um uns zu bewegen, uns seinen Bildern gebührend ehrfurchtsvoll zu nähern. In dieser Ausstellung begegnet uns Alltägliches, und manches davon ist in der Ausarbeitung angedeutet, anderes dagegen mit staunenswerter Präzision durchgearbeitet, die uns daran erinnert, daß auch für Andreas Ludwig in den 70er Jahren der Fotorealismus keine unbekannte Größe war. In allen hier ausgestellten Bildern kann jeder sehen, daß er zeichnerisch jedes Problem bewältigt, sich aber gleichzeitig bei der Farbgebung oftmals eine Beschränkung auferlegt. Damit gibt er seinen Bildern etwas Spielerisches, das ganz und gar nicht zufällig ist, sondern von ihm gewollt wurde…



Kreisstadt-Echo, 15.01.03, Ausstellung in der ehem. Synagoge Ahrweiler,
Hildegard GINZLER

DEN ALLTAG NEU ENTDECKT

Andreas Ludwig erzeugt mit seinen Bildern reizvolle Irritationen. Die neue Ausstellung in Ahrweilers ehemaliger Synagoge trägt den Titel „Alltägliches. Stillleben und Innenraumbilder auf Papier aus den letzten 22 Jahren‘. Andreas Ludwig, Maler aus Düsseldorf, zeigt Aquarelle und mit Kleisterfarbe gemalte Bilder. Tapetenkleister wird mit Pigmenten vermalt, eine Technik, die sehr dünne Lasuren und somit eine sehr kontrollierte Farberzeugung ermöglicht.
Alltägliches also. Wo doch so viele Einführungsreden das sattsam bekannte Picasso-Wort „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“ immer wieder unter die Leute bringen. Und nun will uns da jemand auf kunstvollem Wege die Begegnung mit dem Alltag an- tragen? Die Motive legen es nahe. Andreas Ludwig, Jahrgang 1939, der von 1970 bis 2002 als Kunsterzieher an Gymnasien wirkte, führt uns an alltägliche Orte und Dinge heran. In den Werkraum, an den Schreibtisch, den Essensplatz, auf die Baustelle oder die Straße. Wie er es tut, ist dagegen alles andere als alltäglich. Nähern wir uns einem. Interieur mit zwei Diaprojektoren auf Metallgestell, ist das Auge vollauf damit beschäftigt, ein reiches Angebot an bildnerischen Elementen zu sortieren. Ein schwarzer Vorhang und die Projektoren stehen als beharrende Flächen gegen die Linien des gekreuzten Gestänges und senkrecht aufgestellter Rahmen. Im düsteren Szenarium — nur einige bläuliche Passagen heben den strengen Schwarz-Weiß-Eindruck auf - empfindet sich der Betrachter beinahe als einen Eindringling in eine geheimnisvoll stille Welt. Das Erkennen der Dinge wird zum Abenteuer, Sehen zur Wahrnehmung, die mehr spannende Fragen aufzuwerfen als zu beantworten scheint.
„Geige auf Sägeblock“ ist auch solch ein Werk. Das Instrument liegt im grünsamtenen Geigenkasten offen auf einem Sägebock. Darunter lassen sich eine Säge und eine türkisfarbene Motorkreissäge ausmachen. Schönheit und Schrecken sind so auf engsten Raum gebracht. Analogien, aber welche, ergeben sich gleichfalls. So wie die vielfältigsten Violinentöne erreichen auch die kreischenden Sägegeräusche unser Ohr. Die einen schmeicheln sich in die Seele, die anderen zerren an den Nerven. Darin den Stillleben der alten Meister gleich, treten die Objekte als Symbolträger auf. Geige und Sägeblock können schöne Kunst und Handwerk verkörpern, Muße und Arbeit, Träumen und Gefahr. Eine am Boden liegende bleiche Maske berührt das Vanitas-Thema, erinnert also an die Vergänglichkeit. Damit hebt sie die vorgenannten Gegensätze auf. Denn im Angesicht des Todes, dem großen Relativierer alles Irdischen, treten Geige und Sägebock schlussendlich versöhnlich nebeneinander als (wie auch immer geartete) Lebensäußerungen. Man ist eingeladen Deutungen zu finden, ohne sich eingleisig festlegen zu müssen. Ganz offenkundig enthält das Bild diese Einladung, wirkt dessen ungeachtet aber auch über die malerischen Reize.
Andreas Ludwig, das zeigen viele seiner Arbeiten, gelingt es, sowohl graphische wie malerische Akzente zu setzen. Präzises zeigt sich neben unscharf Formuliertem. Das hält die Aufmerksamkeit wach. Irritation erzeugt er durch ungewohnte Motivkombinationen (Violine/Säge, Mopp/Käse oder Violine/geschälte Zitrone) und eigenwillige Raumausschnitte. Bei einigen Werken erlebt der Betrachter, dass er unbewusst die Konventionen gegenständlicher Malerei verinnerlicht hat. Wenn der Maler im bläulich getauchten Umfeld einen Strauß weißer Rosen präsentiert, sieht man die hinreißenden Blüten mit grünlichem Schatten in einer langen Tradition von Bildern, die einzig der Schönheit der Blumen huldigten. Bis sich der Blick allmählich vom Bukett löst und der Betrachter den Tisch gewahr wird, auf dem die Blumen stehen, die angeschnittenen Figuren, die sich dort aufstützen und an den Bildrändern eine Mineralwasserflasche sowie die typische Gestalt einer braun- schwarzen Maggi-Flasche, die ihn vollends aus der blumigen Atmosphäre auf den Boden des Profanen bringt. Doch nicht lange, da nimmt ihn der Zauber der lichten bläulichen Farbigkeit erneut gefangen, gibt den Auftakt sich wiederum auf das Bild einzulassen, vielleicht diesmal ganz anders.
Merkwürdig mürbe Farbtöne, die an den meditativen Stillleben-Maler Giorgio Morandi erinnern, herrschen in „Umzu“ vor. Der Titel spielt auf den nur partiell zu erkennenden Schriftzug eines Kartons an. Umzug heißt der wohl vollständig. Außer dem Behältnis sind eine Stereoanlage samt Lautsprecher und einige nicht zu definierende Dinge versammelt. Auch die Raumverhältnisse bleiben ungeklärt. Wie eine dünne Staubschicht liegen die warmen müden Farben über allem. Melancholie macht sich breit. Weil sie dem Abschied, der dem Umzug voranging, innewohnt? Weil wir es bei den abgestellten Dingen mit abgeschriebenen Dingen zu tun haben, die in den neuen Zusammenhängen unbrauchbar geworden, vergessen und funktionslos eine leere Existenz verdämmern? Der Maler zeigt uns den Alltag, verweist auf das Unbekannte im Bekannten, das von interessantem Muster unter den Turnschuhen bis hin auf zunächst verborgene Bedeutungsebenen reicht. Frisch hinsehen und sich von der Optik zum persönlichen Erleben verleiten lassen, dazu geben seine Bilder, die noch bis 19. Januar, jeweils 14 bis 17 Uhr zu sehen sind, vielfältige Anreize. - HG -(Hildegard GINZLER)


VOM VISUELLEN ZUM VIRTUELLEN, MALEN MIT PINSEL, STIFT UND MAUSKLICK

Peter KÖRFGEN

Andreas Ludwig zählt zu den Malern, deren Selbstverständnis geprägt ist von einem Prinzip, das der französische Philosoph Victor Cousin l'art pour l'art nannte: Kunst um der Kunst willen. Vor fast 200 Jahren verkündet, stellte es eine klare Absage dar: Keine von außen vorgegebenen Zwecke und Ziele mehr. Zugleich enthielt es eine Aufforderung: Um die ihr eigenen Gesetze entfalten zu können, muß man der Kunst den dafür nötigen Spielraum sichern.

Victor Cousin brachte mit dieser Maxime auf einen populären Nenner, was Immanuel Kant zuvor schon gefordert hatte. Für ihn sollte Kunst identisch sein mit interesselosem Wohlgefallen, verstanden als Plädoyer für das Absichtslose, fern von jedem raffinierten Kalkül, außerhalb von allem Spekulativen.

Sie haben also einem hohen Selbstanspruch zu genügen, die vierzig Arbeiten die Andreas Ludwig für diese Ausstellung auswählte. Ihre Spannweite deutet der Titel an: Vom Visuellen zum Virtuellen, Malen mit Pinsel Stift und Mausklick – ein Titel, der die unterschiedlichen Malmethoden und ihre Materialien im Kern widerspiegelt.

Es begann damit, daß sich schon während des Studiums eine Vorliebe für den Umgang mit Kleisterfarbe herausbildete, ein Verfahren, bei dem Pulverpigmente mit Tapetenkleister verrührt werden. Da diese Technik gute Lasurmöglichkeiten bietet, nämlich ein Arbeiten in durchscheinenden Schichten, zog Andreas Ludwig sie dem Malen mit Öl- und Acrylfarben vor. Hinzu kamen bald die Techniken des Aquarellierens und Zeichnens – beides Bereiche, die innerhalb des Gesamtspektrums mittlerweile dominieren.

Ende 2002, so notiert er selber fast kalendarisch genau, glitt er sodann in die sogenannte virtuelle Welt der digitalen Bildbearbeitung hinein – nicht abrupt, eher zufällig und zögernd, immerhin aber doch nachhaltig. Er bleibe fasziniert von den Möglichkeiten, alte Idealvorstellungen im Umgang mit dem Sichtbaren per Mausklick zu verwirklichen, so notiert er dazu. Was schließlich in den Versuch einmündete, die Korrelation – so nochmals wörtlich – zwischen Bild und Text zu beleben. Was heißt, daß es ihm darum geht, Gemalte und Geschriebenes in Beziehung zu setzen, miteinander zu verbinden, gemeinsam kreativ werden zu lassen.

Soweit das Formale, das Datierbare. Nun das Spektrum der Motive, wenigstens in Ausschnitten. Was wir da etwa zu sehen bekommen an Straßenszenen Häuserzeilen, Hinterhöfen, nichts davon ist das, was pittoresk wäre im herkömmlichen Sinn. Statt dessen wurde sorgsam alles gemieden, was geschönt wirken könnte, zurechtgemacht, ausgesucht. Altersrissige Hauswände tauchen auf, verrottete Kabelkästen, bizarre Sprayfiguren, die Mondlandschaften zertretener Linolböden. Signaturen des Lebens, nicht des Häßlichen. Weiter treffen wir Dinge an aus dem Sektor Krusch und Krempel, abgestellt, weggelegt, vergessen – in einer Kellerecke, in einem Schrank, einem Kabuff. Werkzeuge darunter, Zange Bohrer Schraubenzieher, exakt ausgearbeitet, geradezu hingebungsvoll. Dann einzelne Zahlen, vor allem die Ziffer Zwei hat es ihm angetan, manchmal auch Schriftzüge, etwa von Verpackungen, kleine kalligraphische Ausflüge, die wie Reminiszenzen wirken an sein Erststudium, nämlich das der Architektur. Überhaupt scheint das mannigfach nachzuhallen, nicht nur da und dort, im gesamten Oeuvre, und wär's auch nur in Gestalt eines ordnenden Rasters.

Schließlich die Stilleben, offensichtlich mehr oder weniger spontane Einfälle. Der Arbeitsplatz mit Malkasten, Pinseln, Kalenderblättern, Papierblöcken; ein Blick auf den Küchentisch: Teiglöffel, Nußreibe, Zuckerdose. Zu guter Letzt eingelegte Früchte in Gläsern auf einem Sideboard, zwischen ihnen eine bauchige Kanne, im Vordergrund angedeutet die Muster von Tischdecken.

Alle Arbeitsstile und –stadien übergreifend, fällt eine geradezu asketische Enthaltsamkeit bei der Farbgebung auf, eine fast phobische Zurückhaltung vor jeder stärkeren Nuancierung bis hin zum völligen Farbverzicht - mit dem Effekt, daß an manchen Stellen die Bleistiftskizzen zwischen den kolorierten Bildteilen hervortreten wie bleiches Gerippe, so als sei die Arbeit dort abrupt ausgesetzt worden, um sie irgendwann zu vollenden.

Bestärkt wird dieser Eindruck des Unfertigen dadurch, daß da und dort die Bildkomposition aus dem verfügbaren Format hinauszudrängen scheint, als habe der Maler die Fläche nicht im Griff. Doch ob scheinbar unproportional oder unfertig, ungewollt jedenfalls ist davon nichts. Im Gegenteil. Jede dieser Konfigurationen bezieht den Betrachter sozusagen bewußt in ihre eigene Fertigstellung ein, sie überläßt es ihm gewissermaßen, sie zu Ende zu denken. Schließlich glaubt doch jede und jeder zu wissen, wie die Dinge ringsum aussehen. Da genügt es doch sie anzudeuten.

Was besagt, Andreas Ludwig gibt sich erst gar nicht den Anschein, die Malerei neu erfinden zu wollen. Weshalb es ihm oft ausreicht, spielerisch Marken zu setzen. Was übrigens auch in seinem Wahlnamen aufscheint, mit dem manche der ausgestellten Arbeiten signiert sind: Udo Ludo, von dem lateinischen Verb ausgehend ludere gleich spielen.

Dieses spielerische Element begegnet uns schließlich auch in jenen Arbeiten, in denen Andreas Ludwig alias Udo Ludo versucht das Gemalte und das Geschriebene in Beziehung zu setzen. Zugleich läßt sich an ihnen besonders deutlich die Absicht ablesen, den Betrachter gleichsam kreativ einzubeziehen.

Beispielhaft dafür das Abbild einer Löwenstatue, virtuell streichelnah herangeholt, verwittert, durchnarbt von Jahrtausenden mit einem Mähnenhaupt, dessen leere Augenhöhlen beklemmend lebendig wirken. Und in dieses archaische Gestein hineinkomponiert ein Text von Meir Shalev über die Langsamkeit der Schallwellen in der Wüste. Und darüber, daß man sich in Israel erzählt, in den hitzeglühenden Schluchten des Negev hallten heute noch die Harfenklagen derer nach, die man einst in die Gefangenschaft nah Babylonien verschleppte.

Was heißt: Es ist dem Betrachter überlassen, den Löwen als steinernen Zeitzeugen Nebukadnezars anzusehen, seine marmorne Konsistenz als Gleichnis des Beständigen zu deuten oder umgekehrt ihn seiner Verletzungen wegen als Symbol des Vergänglichen zu werten. Wenn er will kann er sich aber auch einen völlig anderen Vers daraus machen.

Zum Schluß nochmals an den Anfang zurück, zu Kants Postulat, die Kunst habe identisch zu sein mit dem Absichtslosen und dem Unspekulativen, was ja um das Undogmatische und das Unideologische zu ergänzen wäre, Forderungen, denen in dieser abstrakten Form wohl jede und jeder zustimmen wird. Zumal eingedenk unserer nationalen Wahnidee, Kunst gar nach biologischen Kriterien beurteilen zu können. Tempi passati. Gottlob. Mittlerweile sehen wir uns jedoch zivilisatorischen Anfechtungen ganz anderer Art ausgesetzt.

Die augenfälligste von ihnen: Wir werden, bisher beispiellos, mit Informationen nicht mehr nur bombardiert, sondern geradezu penetriert, Informationen oft völlig unkontrollierbarer Herkunft und kaum noch scheidbar in Spreu und Weizen, gleichwohl verbunden mit moralischem Wahrheitsanspruch und dem Appell, zu glauben, was sie uns zu sehen, zu hören, zu lesen lehren. Die allenthalben wahrnehmbare Abwehrreaktion besteht vor allem darin, diese Flut auf den individuell zuträglichen Bedeutungsgehalt zu kondensieren. What\'s the message?, lautet die Parole.

Warum diese Exkursion? Weil nicht auszuschließen ist, daß uns diese Parole mitten in einer solchen Ausstellung ankommt: What's the message? Dass man plötzlich wissen will, was sie von einem will. Denn irgendwas wollen doch alle.

Deshalb ist es vielleicht ganz gut, sich bereits vorher darauf einzustellen: Hier wird nichts von einem verlangt. Die Ausstellung verkündet auch nichts, verheißt nichts, verspricht nichts. Statt dessen enthüllt sie nur Blicke, teilt sie nur mit: So sind die Dinge. Womit sie am Ende vielleicht doch eine Botschaft enthält: Die Botschaft der Dinge. 03.03.2007 Peter KÖRFGEN

Motive/Themen/Aufgaben

Gebaute Umwelt, von innen und außen. Wohnungsbau auf Bahnbrachen. Volkskunst an Wäscheleinen. Gehäuse. Fahrzeuge. Bis zum Horizont ansteigende Straßen. Beblättertes und Abblätterndes. Dechiffrierungen und Umdeutungen. Schaufenster von beiden Seiten. Leerstehende und gefüllte Lokale. Aggregat- und andere Zustände. Rätsel und Anklänge. Verpackungen und Häute. Streiflicht und Schatten ohne sichtbare Ursache. Schattenloses. Dem Zufall Entsprungenes. Gestriges und Künftiges. Paare und Triolen. Bedingungslose Paradoxien und Antinomien.


Für vergößerten Bildschirm Taste F11 drücken, zurück zu den Taskleisten: erneut F11 drücken.

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